02874 - 704  Pfarrei St. Franziskus Steinweg 6 46419 Isselburg
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Impuls

für den 26. Sonntag im Jahreskreis

27.09.2020


aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 21,28-32)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den

Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei

Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und

arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später

aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den

zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr –

und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines

Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu

ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen

gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu

euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt

ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm

geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und

ihm nicht geglaubt.


Impuls:

"Seid eines Sinnes, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig!"

Diese Ermahnung des Apostels Paulus hören wir in der Lesung des

heutigen Sonntags. Paulus richtet sich an die Menschen in Philippi. Aber er

könnte damit wohl jede Gemeinde auch heute noch ansprechen.

Und das Evangelium lädt uns ein, den Willen Gottes zu tun, ohne große

Worte zu machen. Das ist selbstverständlich? Vielleicht!

Aber es ist doch gut, sich auch solche Binsenweisheiten immer wieder einmal

vor Augen zu führen. Sie bewahren einen nämlich vor Enttäuschungen

und sie bewahren einen davor, sich falschen Hoffnungen hinzugeben. Bevor

eine Sache nicht ausgefochten ist, ist noch nichts wirklich gewonnen.

Auf die Beteuerung des Sohnes, in den Weinberg zu gehen, konnte der

Herr nicht wirklich etwas geben. Die Beteuerung war nichts wert, nachdem

der Filius überhaupt nicht vorhatte, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

Aber da gibt es schließlich auch noch denjenigen, der ganz dezidiert sagt,

dass er nicht will, dass er nicht in den Weinberg gehen wird, um dort den

Willen des Vaters zu erfüllen. Aber es reut ihn schließlich und er tut es

letztlich doch.

Das lässt zumindest hoffen. Es bleibt die Hoffnung, dass manch felsenfest

vertretene Position, dann letztlich doch nicht so durchgehalten werden

wird. Dass es ein Einlenken geben wird, man sich um Gottes willen für die

Menschlichkeit und die Barmherzigkeit entscheidet.

Und das haben Sie richtig gelesen: Um Gottes willen! Denn davon bin ich

überzeugt: letztlich ist genau das Gottes Wille. Vom Willen Gottes entfernt

man sich nämlich tatsächlich nie wirklich weit, wenn man etwas ehrlichen

Herzens um der Menschen willen tut.

Die Einheit zu wahren, die Liebe zu leben, den Willen Gottes zu tun: Das

ist auch der Auftrag Gottes an unsere Gemeinden.


Ilka Schmeing, Pastoralreferentin


für den 25. Sonntag im Jahreskreis

20.09.2020


aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 20,1–16


Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen

hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den

Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um

die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die

keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich

werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die

neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um

die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen.

Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten:

Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen

Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu

seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei

den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte

Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár. Als dann die Ersten

kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denár.

Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten

haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber

haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von

ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir

vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie

dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge

böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.


Impuls

Wir hören im heutigen Evangelium etwas, was uns auf den ersten Blick als

Ungerechtigkeit erscheint. Denn nach unserer Meinung soll der, der mehr

arbeitet auch mehr Lohn bekommen. Aber für Jesus gilt dieser Maßstab

nicht. Denn seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken und seine Wege

sind nicht unsere Wege. Die wichtigere Frage für Jesus wäre: Was braucht

man zum Überleben? Was braucht man für seine Bedürftigkeit?

Bei uns heute sind gerechter Lohn und Mindestlohn ein wichtiges und aktuelles

Thema. In der heutigen Welt gibt es leider immer noch viele Menschen,

die für ihre Arbeit keinen fairen Lohn erhalten. In Lateinamerika

und vielen Ländern Afrikas werden viele Arbeitnehmer ausgebeutet und

missbraucht. Viele Frauen und Kinder arbeiten den ganzen Tag auf den

Feldern unter großer Hitze und sehr schwierigen Arbeitsbedingungen. Und

leider verdienen sie auch sehr wenig Geld, das ihnen nicht zum Leben

reicht; wenn ihre eigenen Produkte verkauft oder exportiert werden. Es

geht nicht darum, dass nicht bezahlt werden kann, was fair ist, sondern es

geht nur um Profit. In der heutigen Weltwirtschaft spricht niemand mehr

von Moral, sondern von Gewinn.

Wer das Geld kontrolliert, bestimmt den Markt. Das klingt richtig, oder?

Vielleicht ja, aber sicherlich nicht für Jesus. Jesus würde anders handeln.

Er würde an die Arbeiter auf dem Kakaobohnen Feldern denken, die es

ermöglichen, dass wir Kaffee und unsere Schokolade genießen. Jesus

würde an das denken, was die Arbeiter brauchen um zu überleben, und

ihnen bezahlen, was fair und gerecht ist.


Meditation

Gott ist barmherzig, gütig und gerecht.

Seine Barmherzigkeit schließt keinen Menschen aus

niemand ist zu gering, zu wenig wertvoll, zu unbedeutend

Gottes Güte übersteigt menschliche Vorstellung

beugt sich ganz tief hinab um allen die Hand zu reichen

und aufzuhelfen, die gefallen sind

Gottes Gerechtigkeit urteilt nicht vorschnell

kennt keinen Neid und keine vorgegebene Rangordnung

rückt zurecht und setzt ganz neue Maßstäbe

Gott ist barmherzig, gütig und gerecht und voll Liebe

Und wir?

Wie ist unsere Gerechtigkeit und Güte?

Wie ist unsere Liebe?

(von Helene Renner)


Kaplan Virginus


für den 19. Sonntag im Jahreskreis

09.08.2020


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 14, 22-33)

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger,

ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren.

Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem

er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich

allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. Das Boot

aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von

den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In

der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See.

Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie,

weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.

Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen,

ich bin es; fürchtet euch nicht! Petrus erwiderte ihm und sagte:

Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir

komme! Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und

kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind

bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen,

schrie er: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus,

ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du

gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der

Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und

sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.


Impuls

Karlheinz May schreibt zum Evangelium: Petrus steigt aus dem Boot. Was

treibt ihn dazu, gegen alle Vernunft und ohne Rückversicherung ein solches

Wagnis einzugehen? Warum fehlt ihm die Geduld, das sichere Ufer abzuwarten?

In dieser Erzählung ist von unserem Glauben die Rede; sie sagt uns

etwas von seinen Grundbedingungen, wie sie damals für die ersten Jünger

galten und wie sie für uns heute gelten.

Ja gewiss, man sollte nicht ins Blaue hinein glauben. Das hat auch Petrus

nicht getan. Er war kein Abenteurer und Phantast. Er hatte durchaus einen

tragfähigen Grund für seine Entscheidung, nämlich die Aufforderung seines

Meisters: Komm! Für Außenstehende bleibt trotzdem sein Unternehmen

eine Torheit. Aber gibt es nicht auch "die Torheit der Liebe"? Und dann sehe

ich Petrus, wie die Liebe zu seinem Herrn und Meister Grund und

Begründung genug sind, den Fuß über den Bootsrand zu setzen. Er hat Jesus

fest im Blick. Das Wissen, von seinem Meister geliebt, das heißt durch und

durch getragen und gehalten zu sein, gibt ihm die Gewissheit: Mir kann

nichts passieren, zumal mich Jesus selbst auffordert: Komm!

Aber dann die ganze Menschennot, in die Petrus hinein gerät. Der nachtdunkle

Strudel des Wassers zieht ihn in die Tiefe. Warum? Petrus hat seinen

Blick von Jesus abgewandt; jetzt erst wird er sich der Gefahr bewusst, in die

er sich hinein begeben hat.

Hier wird unser Glaube verhandelt, und ich verstehe: Es gibt keinen Glauben

ohne Liebe. Wir sind nicht angehalten, an Grundsätze und Sachverhalte

zu glauben, sondern vorab an ihn, Jesus Christus. Das Herz spricht zum

Herzen: Behalte mich im Blick! Hab keine Angst! Ich bin ja bei dir!

Es ist tröstlich auch für uns, wenn Jesus zu Petrus sagt: "Du Kleingläubiger!"

Das sind auch wir! Aber Jesus tadelt uns nicht; er weiß, wie uns Menschen

oft zumute ist. Gewiss, auch eine Spur Traurigkeit schwingt bei seiner

Feststellung mit. Und eigentlich höre ich eine Verlockung heraus, das

Wagnis des ganzen Glaubens und der großen Liebe einzugehen. Darauf, auf

das Ganze, zielt ja die tiefste Sehnsucht unseres Lebens. Jesus traut es mir

zu, das Wagnis der ganzen Liebe einzugehen und meinen Fuß über den

Bootsrand zu setzen; er sagt auch zu mir: Komm!


Irischer Segen

Mögest du jeden Sturm überstehen und gestärkt daraus hervorgehen.


Pastor Klaus Winkel



für den 24. Sonntag im Jahreskreis

Kevelaer-Wallfahrt - 13.09.2020


Aus dem Buch Exodus (Ex 3,1-8a.13-15)


In jenen Tagen weidete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters

Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die

Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel

des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Er

schaute hin: Der Dornbusch brannte im Feuer, aber der Dornbusch wurde

nicht verzehrt. Mose sagte: Ich will dorthin gehen um mir die außergewöhnliche

Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch

nicht? Als der HERR sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen,

rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete:

Hier bin ich. Er sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab;

denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin

der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.

Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten

gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich

kenne sein Leid. Ich bin herabgestiegen, um es der Hand der Ägypter zu

entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land,

in ein Land in dem Milch und Honig fließen. Und jetzt geh! Ich sende dich

zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! Da sagte

Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen

sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich

fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen? Da antwortete Gott dem

Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten

sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose:

So sag zu den Israeliten: Der HERR, der Gott euer Väter, der Gott Abrahams,

der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das

ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht

zu Geschlecht.


Impuls

Ich bin! Das ist Gottes erste Aussage über sich selbst. Ich bin, das gilt für

allen Zeiten, es ist eine Zusage, die Gott macht. Jesus ist vom Tod

auferstanden. Er ist. Er ist Gott von Gott, wie wir es im großen

Glaubensbekenntnis betend bekennen. Jesus hat den Tod überwunden, um

uns ein für alle Mal zu sagen, dass Gott Leben ist und Leben erschaffen hat

und erhält. Wir verstehen Gott oft nicht. Vielleicht denken wir ihn zu klein,

versuchen ihn mit unseren begrenzten Gedanken zu erfassen. Viele

Menschen haben gerade in den letzten Wochen erfahren, dass Gott nicht

nur da ist, wo wir sind, sondern, dass er sich selbst treu ist, was der

Kreuzweg Jesu noch einmal ganz deutlich macht.

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist gestorben, weil du Mensch warst. Du bist vom

Tod auferstanden, weil du Gott bist und Gott ewiges Leben ist, ohne

Anfang und ohne Ende. Lass uns fest auf dich vertrauen, und gerade in

schweren Zeiten, in denen wir uns gottverlassen fühlen. Wir beten für alle

Menschen, die nicht glauben können, dass sie dennoch Heil erfahren. Wir

beten für jene, die keine Zeit haben für das persönliche Gebet, dass sie sich

getragen fühlen von der großen Gebetsgemeinschaft und so Kraft finden.

Wir beten für alle, die in dieser Zeit des Kontaktverbotes intensive

Kontakte auf anderen Wegen gepflegt haben, dass das Wiedersehen umso

herzlicher sein wird und das Miteinander prägt. Wir beten für alle, die

durch die Corona-Krise gebeutelt sind und vor dem persönlichen oder

geschäftlichen Ruin stehen, dass sie solidarische Hilfe erfahren. Wir beten

für alle, die noch immer glauben, dass die Krise sie nicht betrifft und sie

keine Verantwortung für das Wohl aller tragen. Schenke ihnen Einsicht und

ein neues Bewusstsein, das den Egoismus überwindet und den Nächsten in

den Blick nimmt. Wir beten für unsere Verstorbenen, dass sie in deiner

Ewigkeit Frieden und Freude haben. Wir beten für alle Menschen auf der

Welt, ob gläubig oder nicht, egal welcher Religion sie angehören und

welche Sprache sie sprechen, dass sie zutiefst fühlen, dass da jemand ist,

dass du, Gott, bist. Amen.


Pastor Klaus Winkel



für den 23. Sonntag im Jahreskreis

06.09.2020

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 18, 15-20)


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,da bin ich mitten unter ihnen.


Impuls

Ein Religionslehrer in der Berufsschule wollte das Thema Schuld angehen. Zuerst vergewisserte er sich, was seine Klassen darunter verstehen. „Schuldig ist, wer so blöd war, sich erwischen zu lassen“, war der allgemeine Tenor. Von persönlicher Verantwortung für Fehlverhalten, gar von Schuldgefühl gegenüber Gott, keine Spur. Spricht man jemanden auf sein Fehlverhalten an, „kriegt man einen auf die Fresse.“ Schließlich geht dich nichts an, was ich mache. Ich kümmere mich ja auch nicht um das, was du machst. Solange du mir nicht in die Quere kommst, kannst du machen, was du willst.

Permissive (alles erlaubende) Gesellschaft heißt das in der Sozialwissenschaft. Solche Quertreiber hat es immer gegeben. Auch in den frühchristlichen Gemeinden gab es solche Typen, die sich Gemeinschaft zersetzend verhielten. Man musste eine Prozedur entwickeln, wie sie das heutige Evangelium beschreibt. Man musste mit gelben und roten Karten arbeiten. Im Extremfall war man aus der Heilsgemeinschaft ausgeschlossen. Das war damals das Schlimmste, was einem passieren konnte. Heute ist das anders. Die Sorge um das ewige Heil ist kein Thema mehr. Austritt aus der Kirche liegt im Trend und ist sehr einfach. Ein Klick auf der PC-Tastatur bei der Steuererklärung und man ist draußen. Das Finanzamt informiert das Pfarramt. In dieser seichten Gläubigkeit kann kein menschenwürdiges Schuldbewusstsein bestehen. Was kümmern mich deine Gefühle, wenn ich dich heruntergemacht und deinen Ruf zerstört habe? Was geht mich der kranke oder behinderte Nachbar an? Ich tu doch nichts Strafbares, wenn ich Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft ausnütze! Ich will meine Freiheit, will rauchen, trinken, lärmen und mich breitmachen. Möglicherweise hetzen gegen Fremde, Flüchtlinge, Mitbürger dunkler Hautfarbe. Darf man da einfach wegschauen? Das Evangelium erwartet offensichtlich, dass man einen solchen Sünder zur Rede stellt, zumindest solange er sich noch zur Kirche rechnet. Wer sich so verhält, „sondert“ sich aus, wird zum „Sünder“.


Michael Scholz, Diakon


für den 22. Sonntag im Jahreskreis

30.08.2020


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 16, 21-28)

In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden. Da nahm in Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.



Impuls

In der Nähe des Kolosseums in Rom steht ein kleines Museum. Unter den ausgestellten Fundstücken findet sich eine Kreuzesdarstellung. Vermutlich ist es die älteste, die es überhaupt gibt; jemand hat sie mit einem Nagel in eine Steinplatte geritzt. Die Gestalt, die dort am Kreuz hängt, trägt kein Menschengesicht, sondern einen Eselskopf. Das erste Kreuzbild war also eine Karikatur. Sie spricht für sich. Ein Esel der Gott, der sich so behandeln lässt. Und vor allem: ein Esel der Mensch, der einen solchen Gott auch noch verehrt.


Solche Karikaturen gab es immer wieder – bis in die Gegenwart. Schnell ist in solchen Fällen von Gotteslästerung die Rede. Aber im Grunde trifft dieser Vorwurf solche Karikaturen gar nicht. In ihnen drückt sich vielmehr etwas ganz anderes aus: eine abgründige Hilflosigkeit angesichts der christlichen Botschaft vom Kreuz. Da hängt einer - und soll Gott sein. Und dann soll von diesem Toten auch noch das Heil der ganzen Welt abhängen. Ist das nicht Unsinn?

Für mich ist klar: Gerade dieser Gott, der für uns einen der schlimmsten Tode gestorben ist, ist der Gott, der über diesen Tod gesiegt hat. Gerade das Kreuz, einstmals ein Zeichen der Schande, ist für mich Zeichen der Hoffnung auch in ausweglosen Zeiten.


Auch Albert Einstein hat auf solche Gedanken eine Antwort: Als er einmal einen anspruchsvollen Vortrag über das Verhältnis von Raum und Zeit hielt, widersprach ihm einer der Zuhörer: „Was Sie hier aus-geführt haben, ist mir alles viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche. Nach meinem gesunden Menschenverstand kann es nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“ Einstein lächelte und antwortete: „Dann kommen Sie doch bitte nach vorne und legen Ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch.“


Maria Thier, Pastoralassistentin

für den 21. Sonntag im Jahreskreis

23.08.2020


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 16, 13-20)

In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam,

fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen

den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den

Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst

einen Propheten.

Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon

Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des

lebendigen Gottes!

Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon

Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,

sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist

Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und

die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich

werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf

Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und

was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der

Christus sei.


Impuls

Liebe Gemeinde!

Im heutigen Evangelium stellt Jesus seinen Freunden eine Frage:

"Für wen halten die Leute den Menschensohn?". Und die Jünger

zählen auf, was man so sagt.

Auch wir kennen Jesus zunächst vom Hörensagen. Denn der Glaube

kommt vom Hören. Eltern, Lehrer, Priester haben uns von ihm

erzählt. Doch: Haben wir ihn schon persönlich kennengelernt?

Haben wir Glaubenserfahrungen gemacht?

Gibt es etwas, das wir ganz persönlich erfahren haben?

Jesus fragt auch die Jünger: "Für wen haltet ihr mich?" Hier wird die

Frage Jesu schon konkreter. Hier ist jede und jeder ganz persönlich

angesprochen. Das Bekenntnis ist gefragt: Für wen haltet ihr mich?

Kann man das spüren, dass wir an ihn glauben? Kann man uns das

anmerken, dass wir Christen sind?

Und Jesus beruft Petrus zum Felsen der Kirche. Petrus war wohl

tatsächlich wie ein Fels in der Brandung. In den Stürmen der ersten

Jahrhunderte war dies oft ein Bild für die Kirche: Fels in der

Brandung. In den vergangenen Jahrzehnten unserer Zeit aber wurde

dieses Bild der Kirche auch missbraucht, um Unbeweglichkeit als

Standfestigkeit zu tarnen. Umso mehr richtet sich Jesu Frage heute

wieder an uns – an jeden einzelnen persönlich: "Ihr aber, für wen

haltet ihr mich?"


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Herr Jesus Christus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen

Gottes. Du hast Petrus zum Felsen, zum Fundament berufen. Aber

allen Menschen hast den Weg zum Reich Gottes gewiesen. Jeden

Menschen rufst Du in deine Nachfolge.

Lass uns mutig in die Zukunft gehen, lass uns offen reden und dich

bekennen – in Wort und in Tat! Amen.


Ilka Schmeing, Pastoralreferentin