02874 - 704  Pfarrei St. Franziskus Steinweg 6 46419 Isselburg
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Impuls zum Sonntag

26.06.2022

13. Sonntag im Jahreskreis


Evangelium: Lk 9, 51 -62

Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samaríter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt?Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf. Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben!Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes


Impuls

"Der Glaube hat eine Vorliebe für die Ferien. Das zeigt schon das Wort. Es kommt aus dem kirchlichen Sprachgebrauch. Der gottesdienstliche Kalender spricht nicht von Montag, Dienstag, Mittwoch, sondern sagt: feria prima, feria secunda, feria tertia ... Danach sind offenbar jeden Tag Ferien. Eigen-artig. Was soll das bedeuten?

Dort, wo die Erlösung zum Zuge kommt, herrscht Freiheit, dort besteht je-den Tag Anlass zum Feiern. Und eigentlich sollte das die Zeit und unser Leben auszeichnen. Wir sind offenbar nicht nur für Schule und Arbeit geschaffen, es gibt etwas darüber hinaus: Ferien.

Wie ist das zu verstehen? Der Mensch braucht Erholung. Wir müssen neue Kräfte sammeln, um fit zu bleiben, betriebsfähig und arbeitsfreudig. Wir brauchen Entspannung, um die alltäglichen Spannungen aushalten zu können. Wir brauchen Entlastung, um die Lasten nachher wieder tragen zu können. Ist das alles? Dann hätten also die Ferien lediglich eine Entlastungsfunktion. Die haben sie natürlich. Aber ist das ihr einziger, ihr eigentlicher Sinn? Sie wären dann im Grunde ja doch an der Arbeit orientiert und in den Arbeitsrhythmus eingeplant. Sie wären ein Rad im Leistungssystem: Um leistungsfähig zu bleiben, erholt man sich.

Liegt der Sinn unseres Lebens wirklich wesentlich in dem, was wir leisten? Was geschieht dann mit denen, die noch nichts oder nichts mehr oder nicht viel leisten können? Und weiter: Ist das Leben unter dem Druck der eigenen Leistung wirklich sinnvoll? Bleibt man Mensch dabei? Wir können heute sicher vieles machen. Alles können wir nicht machen. Den Sinn unseres Lebens können wir nicht selbst erzwingen. Wir brauchen's auch gar nicht; er ist uns geschenkt. Unser Leben hat seinen Sinn erhalten, bevor wir etwas leisten konnten, und es ist auch dann noch sinnvoll, wenn wir nichts mehr leisten können. Unsere Welt und wir selbst sind bejaht, angenommen von Gott. Darin liegt der Sinn begründet. Von daher könnte man die Ferien ganz anders verstehen. Sie sind dann nicht mehr ein Rad im Leistungssystem, sie stellen es in Frage. Sie weisen uns auf die Freiheit von allen Zwängen hin, die Ziel der Erlösung ist."


Also dann: Schöne Ferien!

wünscht

Diakon Michael Scholz





12. Sonntag im Jahreskreis - 19.06.2022


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Lk 9,18-24)

In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei

ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten:

Einige für Johannes den Täufer, andere für Elíja; wieder andere

sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu

ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den

Christus Gottes. Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem

zu sagen. Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und

von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen

werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt

werden. Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne

er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir

nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber

sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Impuls

In ihrer Meditation stellt Beatrix Senft die Frage: Für wen hältst du mich?

Ich soll dir, JESUS, also Rede und Antwort geben. Zunächst einmal falle

ich in Schweigen – in ein Nach-denken und Nach-spüren.

Du bist der, zu dem ich in meiner Kindheit, nach und nach, zu beten

lernte, besonders, wenn die Großen mich nicht verstanden.

Du bist der, zu dem ich Zuflucht suchte, als ich, mit großer Wucht, das

erste Mal wirklich mit dem Tod konfrontiert wurde.

Du bist der, der bei mir blieb, als ich, mitten bei den Menschen, eine tiefe

Einsamkeit spürte.

Du bist der, der letzten Halt mir gab, als mein Vertrauen so schändlich

missbraucht wurde, ich nicht mehr weiter wusste und dem Leben nicht

mehr traute.

Du bist der, der mich auffing, wenn ich fiel, der mich aufhob und

aufrichtete.

Du bist der, dem ich in freudigen Momenten mein HALLELUJA entgegen

juble, weil auch Freude etwas Unfassbares haben kann.

Du bist der, der mein Suchen, meine Zweifel und mein Schweigen

aushält,

in dem Vertrauen, dass wir uns nicht verlieren können.

Du bist der, dem ich mich selbst und meine Lieben „in die Hände lege“,

weil ich erspüre, mein kleines Können reicht an Schutz und Begleitung

nicht.

Du bist der, der den Vater verkündete, und mir die Augen öffnete für die

vielen Gaben, mit denen er mich ausgestattet hat. Du hast mich bestärkt

und mir langen Atem gegeben, sie weiterzuentwickeln; zu meinem Wohl

und zum Wohl anderer.

Du bist der …..

Ja, du bist so viel für mich. Nicht alles kann ich fassen. Vor allem aber bist

du der, der mich durch sein Beispiel in seine Nachfolge rief und immer

wieder ruft.

Und, so schwer es mir auch manchmal fällt, dir zu folgen, ich kann dein

Rufen nicht ignorieren. Denn selbst, wo ich wie taub bin, findest du Wege

zu mir.

Du bist der, dem ich mich anvertraue, im Leben und im Sterben.

Durch DICH kann ich der Zusage des Vaters vertrauen:

ICH BIN DA – immer und ewiglich.


Pastor Klaus Winkel



Dreifaltigkeitssonntag-12.06.2022


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 16,12-15)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.


Impuls

Der Dreifaltigkeitssonntag stößt uns darauf, über unser Gottesbild ins Nachdenken zu kommen. Auch wenn wir uns –nach den 2. Gebot –kein Bild von Gott machen sollen, brauchen wir Menschen ein Bild, eine Vorstellung von Gott. Wir wünschen uns ein Gegenüber, mit der wir in Kontakt treten können, wir sehnen uns nach einer Person, die uns hört und uns nahe ist. Wer ist Gott für mich? Wie „sieht“ mein Gott aus?

C. S. Lewis schildert in den „Dienstanweisungen für einen Unterteufel“ folgende Situation: Screwtape, der höllische Unterstaatssekretär, gibt seinem unerfahrenen Neffen folgenden Tipp: Bringe deinen Patienten dazu, beim Beten im stillen

Kämmerlein seinen Gott in einer Ecke, am besten an der Zimmerdecke, festzumachen. Dann fühlt er sich dahin gezogen und entdeckt nie die ganze Fülle des Feindes. Denn hat er sein Bild, das ihn festlegt und vom wahren Wesen des Feindes ablenkt. Er merkt nicht, dass er seinen eigenen Wünschen hinterhersieht und sich seinen Gott selbst zusammenbaut. Das ist die beste Basis, um deinen Patienten vom lebendigen Gott abzubringen. Wer ist Gott für mich? Wie „sieht“ mein Gott aus?

In einer Meditation von Bruno Griemens heißt es:

Es gibt den Erste-Hilfe-Gott,

den Versicherungs-Gott,

den Weihrauch-Gott,

den Bestrafer-Gott,

den Ach-das-ist-nicht-so-schlimm-Gott,

den Mitmenschlichkeits-Gott,

den Höchstes-Wesen-Gott,

den Ordnungs-Gott,

den Belohner-Gott.

Warum lasse ich dich,Gott,eigentlich nicht so zu,wie du wirklich bist?

Es hätte wohl Konsequenzen!


Für mich!


Pastor Klaus Winkel




05.06.2022

Hochfest Pfingsten

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes, Joh 17, 20-26

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!  Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Impuls

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist steht für Lebendigkeit, Freude, Trost, Zuversicht. Doch wenn wir auf unsere Kirche blicken und vielleicht auch auf unseren persönlichen Glauben, sehen wir wenig davon. An einem Tag wie heute wäre es passend, ein paar offene Fragen zu stellen. Aber wir tun dies ohne Vorurteile. Warum fehlt uns die Zeit für Gott? Warum scheint uns die Kirche und was sie zu bieten hat nicht mehr wichtig zu sein? Warum sind Glaube und Religion für uns nicht mehr entscheidend? Wo liegt eigentlich das Problem? Beim Heiligen Geist? Vielleicht schläft er und wirkt nicht mehr. Oder an der Kirche? Vielleicht ist sie zu konservativ? Oder an der Gesellschaft? Vielleicht ist sie zu säkular geworden? Oder an Familie und Eltern? Vielleicht sind sie ihrer Verantwortung nicht nachgekommen.

Gerade darum ist es wichtig, Pfingsten zu feiern und uns so neu den Gaben des Geistes zu öffnen, uns neu Lebendigkeit und Freude, Trost und Zuversicht schenken zu lassen.

Mit dem heiligen Bonaventura beten wir um die (sieben) Gaben des Heiligen Geistes:

Gebet um die Gaben des Heiligen Geistes

„Lasset uns beten um Weisheit,

dass wir die Frucht des wahren Lebensbaumes,

Christus, genießen, und seine belebende Kraft verkosten.

Lasset uns beten um die Gabe des Verstandes,

dass unser Geistesauge erleuchtet werde.

Lasset uns beten um die Gabe des Rates,

dass wir in Gottes Führung die rechten Pfade gehen.

Lasset uns beten um die Gabe der Stärke,

dass wir den Ansturm des Bösen entkräften.

Lasset uns beten um die Gabe der Wissenschaft, dass wir,

vom Licht deiner heiligen Lehre durchdrungen, Gutes und Böses unterscheiden.

Lasset uns beten um die Gabe der Liebe,

dass wir ein herzliches Erbarmen in uns hegen.

Lasset uns beten um die Gabe der Furcht,

dass wir Ruhe finden in heiliger Ehrerbietung vor deiner göttlichen Hoheit.“


Kaplan Virginus Nwosu


29.05.2022

7. Sonntag der Osterzeit

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes, Joh 17, 20-26

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.

Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

Impuls

Das heutige Evangelium ist der so genannten „Abschiedsrede“ Jesu entnommen. Es spricht von der Einheit aller Nachfolger Christi: „Alle sollen eins sein“.

Es ist heute spürbar, wie dringend man sich einigen muss; nicht nur in der Kirche, sondern auch in der ganzen Gesellschaft und in der Welt. Spannungen unter den Menschen, zwischen Ländern, sogar denen, die zu den sogenannten „Vereinten Nationen“ gehören, in der Familie und natürlich in der Kirche sind Zeichen dazu, wie dringend und notwendig das Gebet Jesu um Einheit heute ist.

Ökumenische Aktivitäten der Kirchen sind Bemühungen, um die Kluft zwischen Christen zu überbrücken. Und trotz dieser Bemühungen ist die Spannung nicht ganz weg. Im Moment wird in verschiedenen Gremien und Ebenen viel darüber diskutiert, wie wir unsere Vielfalt oder unsere individuelle Einzigartigkeit leben können, ohne unsere Einheit zu gefährden.

In all diesen Gesprächen und Debatten taucht immer wieder die Frage auf: „Was bedeutet „Einheit“ eigentlich? Worauf bezieht es sich oder sollte es sich beziehen? Wofür beten wir, wenn wir um Einheit beten?

Wenn wir um Einheit beten, ...

dann wollen wir Schritte aufeinander zugehen.

dann geben wir die Hoffnung nicht auf, dass wir uns

nicht weiter voneinander entfernen.

dann haben wir den Mut, auch das scheinbar Unmögliche zu wagen.

dann haben wir auch die Kraft, einander zu verzeihen.

dann träumen wir von wahrer Gemeinschaft.

dann vertrauen wir auf den Heiligen Geist der Liebe, der Erkenntnis und der Um-kehr.

dann lieben wir unsere Brüder und Schwestern im Glauben.

dann glauben wir, dass Beten etwas verändert.

dann wissen wir, dass unser Glaube trägt.


Lasset uns beten:

O Gott, heilige und ewige Dreifaltigkeit, wir beten für deine Kirche.

Heilige ihr Leben; erneuere ihren Dienst; ermächtige ihr Zeugnis; heile ihre Spal-tungen; lass ihre Einheit sichtbar werden.

Führe uns, alle deine Kinder zur Gemeinschaft im Glauben, Leben und Zeugnis,

damit wir, vereint in dem einen Leib. durch den einen Geist,

gemeinsam die vollkommene Einheit deiner Liebe bezeugen. Amen


Kaplan Virginus Nwosu




23.05.2022

6. Sonntag der Osterzeit


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes, Joh 14, 23–29

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Bei-stand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.


Impuls

Ameland ist ein Begriff in unserer Pfarrei. Ende Januar fand dort der Weltjugendtag statt. Richtig gelesen: Die niederländische Jugendpastoral hatte Daheimgebliebene eingeladen, den Weltjugendtag auf Ameland zu erleben. Ein Wochenende auf der Insel mit Katechesen durch Bischöfe, Eucharistie- und Versöhnungsfeiern, Geselligkeit und Strandspaziergängen. Die großen Gottesdienste wurden per Livestream mitgefeiert. Geworben wurde so dafür: „Panama und Ameland haben viel gemeinsam: Strand, Sonne, Erholung und nette Leute. Es geht bei der Ver-kündigung der Frohen Botschaft, das lässt sich hier lernen, um die Herrlichkeit Gottes, die das Glück und Heil des Menschen bedeuten kann –weniger geht es um die Kirche an sich. Vor allem aber hat die irdische Kirche, wenn das Reich Gottes ganz gekommen ist, ihre Schuldigkeit getan. Diese Kirche ist ein sakra-mentales Werkzeug und so Zeugin für den größeren Gott, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert. Damit ist nicht die Kirche an sich Inhalt der Pastoral, wie sie in manchen Pastoralkonzepten erscheint, sondern das Evangelium. Es ist unsere Marke. Wie verlassen wir wären, wenn dies allein „die Kirche“ wäre, hat sich nicht zuletzt während der letzten Monate gezeigt.

Zu jeder Epoche muss die Kirche jene Orte und Mittel wählen, durch die sie ihren sakramentalen Grundauftrag, Menschen heilsam mit dem Evangelium zu berühren, am besten erfüllen kann. Beides, der Perspektivwechsel von Insel und Berg wie auch eine wohltuende Relativierung der „Stellschraube Kirchenentwicklung“ können wichtige Koordinaten für die Zukunft angeben. Innerhalb der Zeitlichkeit hat die Kirche offenbar schon von Beginn an schwierige Probleme zu lö-sen, wie es die erste Lesung aus der Apostelgeschichte bezeugt: Sollen Neubekehrte den Weg über das jüdische Gesetz zum Christentum gehen, oder ist die Taufe schon ausreichend? Das Problem wird „synodal“, also auf einem gemeinsamen Weg der Entscheidungsfindung geklärt. Diese Strategie leitet sich von der Überzeugung her, dass der Heilige Geist aus unterschiedlichen Quellen spricht und keine (hier weder die Gemeinde noch die Apostel) ihn von vorneherein nur für sich reklamieren kann. Denn letztlich ist dieser Geist die eigentliche Lehrautorität der Kirche, wie es das Evangelium bezeugt. Das macht es wiederum nicht einfacher, denn der Geist steht in der Praxis dafür, dass Eindeutigkeit im Glauben nur sehr schwer, wenn überhaupt, zu haben ist. Zu wissen, was der Geist möchte, bedarf des Zuhörens, der Unterscheidung, des Gebets –übrigens alles Kriterien, die Papst Franziskus einer synodalen Kirchengestalt zuschreibt.

Die geistliche Tradition nimmt an, dass sich bei der richtigen Entscheidung aus dem Geist Trost oder innerer Friede einstellen. Dies könnte jener Friede sein, den Jesus „seinen Frieden“ nennt. Er wäre, wenn man sich in aller Ernsthaftigkeit da-rauf einlässt, ein wirkliches Pfund, das Christinnen und Christen unserer Zeit anbieten könnten.


Diakon Michael Scholz