02874 - 704  Pfarrei St. Franziskus Steinweg 6 46419 Isselburg
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Impuls

für den 7. Ostersonntag, 24.05.2020

Pfarrgemeinde St. Franziskus Isselburg

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 17, 1–11a)

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die

Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!

Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er

allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das

ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den

du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht

und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche

du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor

die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du

mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben

und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles,

was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst,

habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig

erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem

Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für

die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören

dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen

bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt,

aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Am Sonntag zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten hören wir im

Johannes Evangelium einen Abschnitt aus den Abschiedsreden Jesu; Das

sogenannte Hohepriesterliche Gebet Jesu. Darin finden wir ein Beispiel

Muster der Verbindung zwischen Jesus, seinem Vater und seinen Jüngern.

Jesus sagte:

„Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein“.

„Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.“

„Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein.“

Diese Verbindung zwischen Jesus, seinem Vater und uns, seiner Jünger ist

eine Gemeinschaft. Jesus sieht sich als Sohn des Vaters, der von ihm

gekommen ist, um den Menschen ewiges Leben zu bringen. Am Ende

seines irdischen Lebens ist für ihm diese Mission erfüllt. Er kehrt zum

Vater zurück, um mit Ihm und dem Heiligen Geist in Gemeinschaft zu leben.


Die Jünger, die durch den Umgang mit Jesus seinen Glauben übernommen

haben, bleiben aber in der Welt und setzen fort, was Jesus selbst begonnen

hat. Sie förderten die Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche, zu der wir

alle gehören. Wir sind sowohl als Einzelpersonen als auch als Gemeinde zu

dieser Gemeinschaft berufen. Wenn immer wir das Kreuzzeichen machen

oder im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes beten,

bekennen wir diese Verbundenheit. In dieser Gemeinschaft denkt jeder an

andere. Jeder kümmert sich und unterstützt den anderen. Obwohl die

Menschen unterschiedlich sind, ist keiner wichtiger als der andere. Es gibt

keine Einstufung und keine Diskriminierung. Alle sind gleich, wie der

Vater, der Sohn und der Heilige Geist gleich sind.

Deswegen konnte der irdische Jesus allen liebevoll begegnen, unabhängig

von ihrem Stand: Sowohl den Reichen als auch den Armen, den Gläubigen

und den Sündern, Männer und Frauen, Gelehrten und Nichtgelehrten,

Juden und nicht Juden, Alte Menschen, Junge Leuten und Kindern.

In der Kirche lädt uns Jesus zu einer Gemeinschaft ein, in der alle wichtig

sind; wo nur ein Gesetz gilt: Der Liebe. Hier ist die Liebe stärker und

wichtiger als alles andere. Um dieses Feuer der Liebe in der Kirche und

unter uns brennen zu lassen, müssen wir darauf achten und alles

verhindern, was Gottes Liebe unter uns zerstört. Es sollte keine

Konkurrenz oder Neid oder Überheblichkeit unter uns geben. Wir sollten

uns aufgrund unseres Geschlechts, unserer Bildung oder unserer Hautfarbe

nicht als besser verstehen.

Wir stehen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Der irdische Jesus

hat sein Werk vollendet. Wir, seine Jünger bitten um seinen Geist, und die

Kraft, sein Lebenswerk fortführen zu können. Jeder einzelne von uns muss

für sich durch der Förderung des Gemeinschaftslebens Gott erkennen und

lieben lernen. Jeder einzelne muss auf seine Weise das wahre und ewige

Leben entdecken und es fördern in der Gemeinschaft in der er sich

befindet. Möge Gott die Tat der Nächstenliebe segnen, die wir tun, um

unsere Gemeinschaft zu fördern und andere bedürftige Gemeinschaften zu

unterstützen, besonders das Uboji-Schulprojekt.


Kaplan Virginus



für den 6. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr A (Joh 14,15-21) von Pastoralreferentin Ilka Schmeing


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (Joh 14,14-21) ---------------------------


Ich seh' uns schon dastehen und aufzählen: Tägliche Gebete nicht vergessen, sonn- und feiertags zur Kirche gehen, nicht naschen in der Fastenzeit, zur Beichte gehen, heilige Namen nicht verunehren... Alles Gebote - Und es gibt so viele davon... Wer kann all die Gebote wirklich halten?


Nur wer sein Gebot hält ist der, der ihn liebt. So können wir es heute lesen. Und nur wer ihn liebt, wird von seinem Vater geliebt werden - so hat er selber gesagt. Ergo: Wer die Gebote nicht hält, wird von Gott auch nicht geliebt… stimmt das? Nein! So ist es nicht.

Zum einen stimmt die Schlussfolgerung schon nicht. So denkt nämlich nur der Abendländer. Das ist nur typisch für das griechisch-abendländische Denken, ganz typisch für unsere Logik. Aber das ist eine Logik, die dem hebräisch-semitischen Denken völlig fremd ist. Und deshalb ist es eine Logik, mit der man bei biblischen Aussagen nur sehr bedingt weiter kommt.


Diese Vorstellung hat mit Jesus von Nazareth so was von wenig zu tun.

Jesus hat doch nie irgendwelche Gebote aufgezählt. Ganz im Gegenteil. Wenn es notwendig war, hat er sie sogar links liegen lassen. Wie oft hat man ihm vorgeworfen, das Sabbatgebot gebrochen zu haben! Ja, als Fresser und Säufer haben sie ihn beschimpft, weil er mit seinen Jüngern nicht recht gefastet habe!

Und neue Gebote hat er erst recht keine erlassen. Ganz im Gegenteil. Er hat alles, was wichtig ist, in einem einzigen Satz zusammengefasst. Er hat alles, was entscheidend ist, auf den Nenner gebracht: "Liebt einander!" Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst - das sei alles, was von Nöten ist.


Dieser Jesus erwartet doch kein Abarbeiten eines Gebotekataloges. Den Menschen hat er in den Mittelpunkt gestellt. Und nichts anderes erwartet er auch von uns.

Denn niemand von uns kann behaupten, dass ihm an Gott und Jesus Christus etwas liegt, wenn ihn der andere Mensch kalt lässt. Niemand kann sich Christ nennen, der diesen Christus nicht im Nächsten, im anderen Menschen sieht.

Das ist wichtig für Jesus, die Menschlichkeit, nicht ein Gebotekatalog.

Die Vorstellung, als müsste ich mir die Liebe Gottes durch die Befolgung möglichst vieler Gebote erst verdienen, ist völlig daneben.

Schauen wir auf das, was Jesus nie müde geworden ist zu betonen: dass Gott nämlich die Liebe ist, und dass seine Liebe nicht berechnend ist, nicht rechnend und auch nicht aufrechnend. Gott liebt mit einer Liebe, die man sich nicht verdienen kann, ja nicht einmal zu verdienen braucht. Denn seine Liebe ist mir schon lange geschenkt, und sie ist mir bedingungslos geschenkt. Ich kann und ich muss sie ganz einfach nur annehmen.


Aber weiterschenken kann man diese Liebe. Und genau das und nichts anderes erwartet Jesus von uns!



für den 4. Ostersonntag, 03.05.2020

Pfarrgemeinde St. Franziskus Isselburg


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in

den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo

einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die

Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter

und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die

ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er

alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und

die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem

Fremden aber werden sie nicht folgen,sondern sie werden vor

ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.

Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht

den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus

zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den

Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber

die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch

mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und

ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu

stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen,

damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.


Impuls


Schafe sind selten geworden. Hirten ebenso. Umso erstaunlicher,

dass wir in unserer Umgangssprache weiterhin diese Bilder benutzen.

Wir alle kennen ja das „dumme Schaf“ unter den Kollegen oder das

„schwarze Schaf“ in der Familie. So sehr wir vertraut sind mit dieser

Bildsprache im Alltag, so befremdlich wirkt das Bild vom „guten

Hirten“ auf uns, das uns Jesus heute im Evangelium anbietet. Hirt

und Herde: das klingt eben doch verdächtig nach „Leithammel“ und

„Herdentrieb“ und ist genau das, was wir eben nicht wollen: fremdbestimmt

und dumm durchs Leben trotten, nur eine(r) sein unter

vielen, sich gängeln lassen von anderen.

Verführt der Text des Evangeliums aber nicht genau dazu? Fördert er

nicht ein Bild von einem autoritären Gott, der den Menschen in

seiner Freiheit einschränkt und ihn gleichsam „für dumm verkauft“?

Mitnichten, denn jeder Schäfer wird uns bestätigen, dass Schafe alles

andere als dumm sind. Sie kennen genau die Stimme des Hirten. Sie

vertrauen ihm, weil sie instinktiv spüren, dass er sie nicht ausnutzen

will. Deswegen laufen sie ihm hinterher. Auch die Freunde Jesu vertrauen

darauf, dass er es gut mit ihnen meint. Aus Erfahrung wissen

sie, dass es sich lohnt, auf ihn zu hören. Deswegen folgen sie ihm.

Auch uns will Jesus keineswegs ängstlich und klein in den Stall von

Dogma und Gesetz einsperren. Das würde uns letztlich krank machen

und zugrunde gehen lassen. Vielmehr schenkt Jesus jenen, die sein

Wort hören und ihm folgen, die ersehnte Freiheit. Er weist den Weg

zum vollen, zum satten, ja, zum „ewigen“ Leben und gibt dem

Menschen – wie ein guter Hirt eben – den nötigen Halt und auch

Schutz vor den „wölfischen“ Bedrohungen dieser Welt. Nichts und

niemand wird dem Menschen, der sich Jesu Führung im Leben

anvertraut, Schaden zufügen können.

- Wozu fühle ich mich von Gott in meinem Leben berufen?


Diakon Michael Scholz



für den 3. Ostersonntag, 26.04.2020

Pfarrgemeinde St. Franziskus Isselburg


Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu auf dem Weg in ein

Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie

sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah:

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und

ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander

redet? Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen – er hieß Kléopas –

antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt,

was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten

ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor

Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum

Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er

der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem

das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in

große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen

Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel

erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und

fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. Da

sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu

glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden

und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von

Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben

steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle

er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird

Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu

bleiben. Und es geschah: Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach

den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie

erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander:

Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn

der Schriften eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten

nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt

waren. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon

erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn

erkannt hatten, als er das Brot brach.

Warum haben wir ihn nicht schon vorher erkannt?

Die Emmausgeschichte ist eine der schönsten Bibelgeschichten. Jesus, mächtig in

Taten und Worten vor Gott und allem Volk, stirbt elendig am Kreuz. Damit hatten

seine Freunde und Anhänger nicht gerechnet. Sie hatten doch gehofft, dass er

Israel erlösen werde. Zwei Jünger hatten sich sogar schon darum beworben, zur

Rechten und zur Linken Jesu zu sitzen, wenn er sein Reich regieren würde.

Mit seinem Tod verschwindet leider dieser Traum. Und mit ihm der Glaube seiner

Anhänger. Jetzt zerfällt die Schar der Jünger. Entsetzt laufen sie auseinander, zutiefst

deprimiert. Sie verkriechen sich, schließen hinter sich ab. Haben Angst.

Zwei seiner Jünger wollen weg von Jerusalem, dem Ort des Todes. Sie sind

traurig und haben sich noch nicht mit Jesu Tod abgefunden. So machen sie sich

auf nach Emmaus. Unterwegs reden sie miteinander über ihre Enttäuschungen.

Ihr Gespräch dreht sich um ihre Erlebnisse in den vergangenen Tagen. Sie suchen

grübelnd nach dem Sinn dieses Todes, finden aber keinen.

Da geschieht es, dass sich den beiden Jüngern ein Dritter hinzugesellt, aber sie

wissen nicht, dass es Jesus ist, der mit ihnen geht. Sie merken nicht, dass die

Hoffnung, die sie schon begraben haben, lebendig bei ihnen ist. Ihr Blick ist

immer noch auf Emmaus, den Ort ihrer Resignation gerichtet. Der auferweckte

Jesus ist zwar kein anderer als der irdische Jesus, aber er begegnet ihnen anders.

Seine Gegenwart ist geheimnisvoll. Die Geschichte hat ein gutes Ende. Denn die

beiden Jünger konnten schließlich Jesus beim Brotbrechen erkennen. Und groß

war ihre Freude. Aber die interessante Frage dieser Begegnung ist doch: Warum

konnten die beiden Jünger Jesus zuerst nicht erkennen? Vielleicht hatten sie eine

andere Erwartung, wie Jesus sein sollte.

Jesus geht die ganze Zeit auch mit uns. Wir erkennen ihn nicht, weil er nicht so

kommt, wie wir es uns vorstellen. Stattdessen kommt er uns in der Gestalt unseres

Mitmenschen entgegen. Jesus machte im Matthäusevangelium klar, dass wir ihn

besonders in den Armen, den Bedürftigen und den Unterdrückten sehen sollen:

„Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner Geringsten getan habt, das habt

ihr mir getan.“ Leider erkennen viele Jesus in diesen Menschen nicht. Deshalb

kann eine Schwester oder ein Bruder mit großen Schmerzen oder Not daneben

sitzen, und wir bemerken es nicht. Wir können sogar der Friedensgruß mit einer

Schwester oder ein Bruder bei der Messe austauschen, ohne die Tränen des

Schmerzes in seinen oder ihrer Augen zu bemerken. Sie können hungrig nach

Hause gehen, während wir uns mit unserer Familie zu einem köstlichen Essen

zurückziehen, ohne ihren Hunger zu bemerken. Jesus geht tatsächlich die ganze

Zeit mit uns. Wenn wir nur Augen des Glaubens hätten, würden wir ihn in der

Schwester und dem Bruder neben uns erkennen, egal wo wir sind, in der Kirche,

Arbeitsplatz, Marktplatz, oder Familie. Und dann würden wir für sie tun, was

auch wir für Jesus tun würden.


Kaplan Virginus

Caravaggio, Michelangelo Merisi da: Der ungläubige Thomas, GK I 5438 / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Hans Bach

Caravaggio, Michelangelo Merisi da: Der ungläubige Thomas, GK I 5438 / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Hans Bach



für den 2. Ostersonntag, 19.04.2020

Pfarrgemeinde St. Franziskus Isselburg

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden

bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte

zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und

seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch

einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich

euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt

den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr

sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als

Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er

entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und

wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine

Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen

versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in

ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen

Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in

meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und

sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen

hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Joh 20, 19-31


Dass du da bist unsichtbar, unendlich gut und groß und wahr,

mich umgibst von allen Seiten wunderbar.

Dass in Gelassenheit und Ruh ich vertrauen kann, dass du

jeden Tag von mir in deinen Händen hältst.

Dass es Deine Liebe war, als Dein Sohn hier bei uns war,

mit uns lebte in tiefster Menschlichkeit.

Dass er einsam für mich starb, auferstand am dritten Tag

und darum der Tod für mich nicht Sieger bleibt.

Dass in Menschen lebt Dein Geist, der den Weg zum Guten weist,

dass du da bist, wenn wir teilen Brot und Wein.

Dass in den Ärmsten Dein Gesicht und die Liebe Dein Gericht,

dass das größte Leid einmal wird Freude sein.

Ja, ich glaube daran und da halt ich mich an,

denn ich will für mein Leben einen Sinn.

Ja, ich glaube daran, weil es mich tragen kann

und mir Hoffnung gibt auf eine Zukunft hin.


“Wenn ich nicht sehe, glaube ich nicht!”

Mit diesem Satz hat der Apostel Thomas es zu einer gewissen Berühmtheit

gebracht. Fast vorwurfsvoll machte man aus ihm den “ungläubigen”

Thomas. Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, für diesen Thomas eine

Lanze zu brechen. Wer ist dieser Thomas eigentlich? Viel wissen wir nicht

von ihm, aber im Johannesevangelium taucht er doch mit vier Aussagen auf,

die ihn ganz gut beschreiben.

Als Jesus nach Judäa zurückkehren will, obwohl er sich damit in Lebensgefahr

begibt, ist es Thomas, der, ohne mit der Wimper zu zucken, sagt: “Auf,

gehen wir mit Jesus und sterben mit ihm.” Er ist ein Mann der Tat, wirkt

überhaupt nicht wie ein Zögerer. Jesus ist sein Herr, also vertraut er ihm und

geht mit ihm. Er trifft klare Entscheidungen und ist sich der möglichen

Konsequenzen völlig bewusst. Aber er will halt wissen, worauf er sich einlässt,

er will verstehen. Und das tut er, indem er nach-fragt, wenn ihm etwas

nicht klar ist. Von Jesus bekommt er die Antworten, die er braucht. Auf

seine Frage beim Abendmahl: “Woher sollen wir den Weg kennen?” antwortet

dieser ihm: “Ich bin der Weg.”

Nein, Thomas lässt sich kein X für ein U vormachen. “Wenn ich nicht sehe,

glaube ich nicht.” Aber wer kann das schon? Wer würde schon ohne Zweifel

das Unglaubliche glauben? Thomas wird der “Ungläubige” genannt, aber

die anderen Apostel, und vermutlich die meisten Menschen, stehen ihm da

in nichts nach. Als die Frauen vom leeren Grab berichten, halten die Apostel

ihren Bericht für Geschwätz. Auch den Jüngern, die unterwegs nach

Emmaus waren, nahmen sie die Begegnung mit dem Auferstandenen nicht

ab. Und selbst, als Jesus selbst zu ihnen kam, hielten sie ihn zunächst für

einen Geist. Also war Thomas mit seinen Zweifeln in allerbester

Gesellschaft. Aber nachdem er sich von der Wahrheit überzeugt hat, war er

Feuer und Flamme. Seine letzte Aussage macht seine Überzeugung, seinen

wahren Glauben deutlich: “Mein Herr und mein Gott!” Thomas ist nicht der

einzige Zweifler, sondern nur der letzte unter den Zwölfen.

Thomas zeigt uns, dass wir zweifeln dürfen. Nicht unsere offenen Fragen

sind entscheidend, sondern unsere Liebe zu Jesus Christus, mit der wir in

seine Nachfolge treten. Darin ist er uns Vorbild. “Selig, die nicht sehen, und

doch glauben.” Wir haben nicht die Möglichkeit, die Wundmale Jesu mit

eigenen Augen zu sehen. Aber wir können ihm begegnen, in jedem

Mitmenschen, in jedem Lächeln, in jedem guten Wort, aber auch in ihrem

Leid. Und vielleicht können wir dann mit Thomas auch glauben: Mein Herr

und mein Gott! Er ist wahrhaftig auferstanden!


Maria Thier