19.04.2026 13:00

Kirchenchor St. Pankratius zu Gast in Barlo

Wer sagt eigentlich, dass Kirchenmusik immer nur andächtig leise sein muss? Am vergangenen Samstag bewies der Anholter Kirchenchor, dass gesungener Glaube auch ordentlich Drive haben kann.

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Mit Auszügen aus  Tjark Baumanns „Missa 4 You(th)“ im Gepäck gastierte das Ensemble in St. Helena und verwandelte den Gottesdienst in ein musikalisches Erlebnis.

Schon beim ersten Einsatz wurde klar: Hier steht ein Team am Altarraum, das seine Hausaufgaben gemacht hat. Die 22 Sängerinnen und Sänger präsentierten sich hervorragend vorbereitet und mit einer Präsenz, die den Kirchenraum bis in den letzten Winkel ausfüllte.

Die "Missa 4 You(th)" ist kein klassisches Chorwerk von der Stange. Sie lebt von modernen Rhythmen, Harmonien mit Pop-Appeal und einer Energie, die sofort auf die Gemeinde übersprang. Der Chor trug die Stücke nicht einfach nur vor – er zelebrierte sie. Mit beeindruckender Stimmgewalt und einer spürbaren Leidenschaft für die Musik wurde deutlich, wie zeitgemäß und lebendig sakrale Musik im Jahr 2026 klingen kann. Mal voller sanfter Innigkeit, mal mit Pepp und kraftvollem Volumen riss der Chor die Gemeinde förmlich mit.

Ein besonderes Glanzlicht setzte das Ensemble nach der Kommunion. Mit dem "Halleluja" von Gordon Young zeigte der Chor noch einmal seine gesamte künstlerische Bandbreite. Von einem hochemotionalen Piano bis hin zum strahlenden, raumfüllenden Forte – die Sängerinnen und Sänger beherrschten die gesamte Klaviatur der Gefühle.

Hinter den Kulissen (und direkt am Instrument) hielt Chorleiter Sven Joosten die Fäden fest in der Hand. In Personalunion sorgte er für das perfekte Fundament: Mit Schwung begleitete er seinen Chor am Klavier und verlieh der Missa den nötigen Groove. Dass er auch die leiseren und majestätischen Töne beherrscht, bewies er an der Viscount-Orgel, die er während des Gottesdienstes mit viel Gefühl zum Klingen brachte.

Passend zur frischen Musik schlug auch Pfarrer Gerhard Wietholt in seiner Predigt Töne an, die mitten ins Leben trafen. Er räumte mit dem Vorurteil auf, dass ein "guter Christ" niemals zweifeln dürfe. Im Gegenteil: Glaube und Zweifel seien zwei Seiten derselben Medaille und würden sich gegenseitig bedingen. "Wer nicht fragt, bleibt dumm" – mit diesem charmanten Zitat aus der Sesamstraße brachte Pfarrer Wieholt es auf den Punkt: Fragen und Hinterfragen sind der Motor eines lebendigen Glaubens.

Am Ende gab es nicht nur herzliche Dankesworte von Pfarrer Wietholt für die "musikalische Bereicherung", sondern auch strahlende Gesichter in den Kirchenbänken. Der Anholter Chor hat in Barlo bewiesen, dass Musik die beste Brücke ist, um Botschaften direkt ins Herz zu transportieren.