Virtuoses Orgelkonzert mit Samuel Ellers
Mit einem ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Konzept hatte der erst 22-jährige Kantor Samuel Ellers aus Borken-Weseke zu einem besonderen Konzertabend eingeladen.
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Barock, Romantik und Sci-Fi – drei musikalische Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen, sich an diesem Abend jedoch eindrucksvoll ergänzten. Dank einer großen Leinwand konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer das Spiel an der Orgel nicht nur hören, sondern auch live mitverfolgen – ein Gewinn, der die Virtuosität des jungen Musikers noch einmal eindrücklich unterstrich.
Schon die ersten Takte eröffneten einen weiten Klangraum: Das "Große Präludium und Fuge in e-Moll" von Nikolaus Bruhns zählt zu den bedeutendsten Orgelwerken des barocken Meisters. Ellers ließ mit kraftvollen Akkorden und virtuosen Läufen ein Spannungsfeld aus Energie und Dramatik entstehen. Mit bemerkenswerter technischer Souveränität brachte er die zeitlose Expressivität dieses Werkes überzeugend zum Ausdruck.
Einen deutlichen Kontrast setzte anschließend "Wer nur den lieben Gott lässt walten" von Christian Heinrich Rinck. Hier zeigte Ellers seine Fähigkeit zur klanglichen Zurücknahme und sensiblen Phrasierung. Die Choralmelodie trat klar hervor, getragen von einem warmen, ruhigen Klangbild. Besonders die fein abgestimmte Registrierung unterstrich den meditativen Charakter des Stücks, ohne sentimental zu werden.
Das "Prélude pour orgue op. 78" von Cécile Chaminade verlangte interpretatorisch ein hohes Maß an Kontrolle über Dynamik und Phrasierung. Samuel Ellers überzeugte hier mit klanglicher Sensibilität und einem feinen Gespür für musikalische Spannungsbögen. Die Orgel wurde zum farbenreichen, fast intimen Klanginstrument – sanfte Grundstimmen trugen die melodische Linie, ohne sie zu überdecken. Ellers spielte das Werk der französischen Komponistin ergreifend ohne zu erdrücken.
Mit der "Communion op. 90 Nr. 15" von Alexandre Guilmant tauchten die Zuhörerinnen und Zuhörer in sphärische Klangwelten ein. Guilmant hatte dieses meditative Stück für die Kommunionausteilung im Gottesdienst komponiert. Ellers ließ die Musik förmlich schweben – ein Moment der Ruhe und Einkehr, der wie ein musikalischer Blick in den Himmel wirkte.
Dann öffnete sich die dritte Welt des Abends: der Weltraum. Mit viel Spielfreude und hörbarer Begeisterung – Samuel Ellers ist bekennender Star-Trek-Fan – interpretierte er bekannte Titelmelodien und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch ferne Galaxien. Vor dem inneren Auge erschienen die Besatzungen der Enterprise um Captain Kirk und Captain Picard. Passend dazu wurde an den Internationaler Tag der bemannten Raumfahrt erinnert, der an den historischen Flug von Juri Gagarin am 12. April 1961.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war Ellers Improvisation über den Choral „Jesus lebt, mit ihm auch ich“. In drei Stilrichtungen führte er durch die Musikgeschichte: zunächst schlicht, dann im Stil von Johann Sebastian Bach und schließlich in der dichten Klangsprache von Max Reger. Die abschließende Toccata mit der Melodie im Pedal war überwältigend – die Augen konnten den fliegenden Fingern kaum folgen. Es folgte ein ruhiges, lyrisches Trio, bevor eine kunstvoll gearbeitete Fuge den Bogen spannte, die sich schließlich mit dem Halleluja-Thema von Georg Friedrich Händel zu einem eindrucksvollen Höhepunkt steigerte.
Auch die Variationen über „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ von Denis Bédard begeisterten: Von der festlichen Fanfare bis zur berauschenden Toccata spannte sich ein abwechslungsreicher Klangbogen, der die Möglichkeiten der Anholter Orgel in ihrer ganzen Vielfalt zeigte.
Am Ende blieb die Erkenntnis: Dieses Konzert hätte deutlich mehr Zuhörer verdient gehabt. Samel Ellers beeindruckte an der Orgel – technisch souverän, musikalisch einfühlsam und mit einer ansteckenden Begeisterung, die noch lange nachklingen wird.