10.08.2026

Eine Entdeckungsreise zur Seifert-Orgel

Orgelführung in Anholt am 09.08.2026

Ein Instrument, das Räume füllt – musikalisch wie architektonisch: Sven Joosten nahm rund 20 Musikbegeisterte mit auf eine faszinierende Reise durch die Welt der Orgelbaukunst in Anholt.

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"Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?" Mit dieser rhetorischen Frage überraschte Chorleiter Sven Joosten die rund 20 Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich zur Orgelführung in der Pankratiuskirche eingefunden hatten. Das überzeugte "Ja!" eines Besuchers, unter denen auch Gäste aus dem benachbarten Wesel waren, kam spontan. Doch Joosten schmunzelte und lenkte den Blick in eine andere Richtung: Eine Liebe auf den zweiten oder dritten Blick sei schließlich viel schöner – einfach deshalb, weil man genauer hingesehen, sich intensiver mit dem Gegenüber beschäftigt hat.

So sei es ihm zumindest ergangen, als er die Orgel in Anholt zum ersten Mal gesehen habe. Er sagte darum: "Beurteilen Sie niemals eine Orgel nach ihrem Aussehen." Ein passendes Bild für ein Instrument, dessen Faszination sich oft erst bei genauerer Betrachtung vollends erschließt.

Unter dem Motto "Entdeckungsreise" öffnete der Musiker die Türen zur komplexen Welt der Königin der Instrumente und bewies dabei eindrucksvoll, dass Orgelkunde alles andere als trockene Materie ist.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Seifert-Orgel der Kirche. "Eine Orgel kann den Raum füllen, nicht nur musikalisch, sondern auch architektonisch", betonte Joosten. Wie recht er damit hat, zeigt der Blick nach oben: Das Instrument besticht durch seinen offenen Freipfeifenprospekt – ein gestalterisches Detail, das in dieser Form in der gesamten näheren Region einzigartig ist. Statt hinter einem geschlossenen Gehäuse verborgen zu sein, stehen die Pfeifen frei im Raum und verleihen der Architektur eine ganz eigene, luftige Dynamik.

Neben den lokalen Besonderheiten spannte Joosten. einen weit gefächerten Bogen durch die allgemeine Orgelgeschichte. Anschaulich und gespickt mit allerlei Wissenswertem erklärte er, wie sich die Mechanik über Jahrhunderte entwickelte und wie aus Luftströmen und Ventilklappen Klangkunst entsteht.

Besonders greifbar wurde der Vortrag, als der Organist die Funktionsweise der einzelnen Register erläuterte. Wie unterscheiden sich die schneidenden Zungenstimmen von den sanften Flötenregistern? Wie wird aus einzelnen Pfeifen ein majestätisches Gesamtvolumen?

Der Höhepunkt der Führung folgte am Spieltisch: Mit ausgewählten Klangbeispielen demonstrierte Joosten, welche enormen Ausdrucksmöglichkeiten in der Seifert-Orgel stecken. Von leisen, fast intimen Passagen bis hin zum Raum füllenden Plenum ließ er das Instrument in all seinen Facetten erstrahlen.

Nach der Vorführung nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit für Fragen und einen Blick aus nächster Nähe. Am Ende blieb die Erkenntnis: Wer eine Orgel mit den Augen und Ohren zu betrachten lernt, verliebt sich vielleicht nicht auf den ersten Blick – aber dafür umso nachhaltiger.