Pfarrer Nwosu verlässt St. Franziskus
Acht Jahre prägte Priester Virginus Nwosu die Pfarrei St. Franziskus. Nun verlässt er Isselburg – und blickt auf bewegende Begegnungen und neue Herausforderungen
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Pfarrer Virginus Nwosu nimmt sich einen Moment, bevor das Gespräch beginnt. Er entschuldigt sich kurz, macht das Kreuzzeichen und dankt Gott für dessen Beistand und Begleitung. Dann ist er ganz bei der Sache. Acht Jahre lang hat der 47-Jährige die Pfarrei St. Franziskus in Isselburg geprägt – nun steht für ihn der Abschied an. Künftig wird er als Pfarrer in Dorsten tätig sein.
Im Gespräch mit dem BBV blickt Nwosu auf seine Zeit zurück – und muss nicht lange überlegen, was ihm besonders in Erinnerung bleibt. "Das ist eine lange Liste", sagt er und lacht. Vor allem der Austausch mit den Menschen habe ihn bewegt. Die Jahre in Isselburg beschreibt er als eine intensive Zeit des gelebten Glaubens. Als Priester habe er Glauben weitergeben können – und zugleich selbst erfahren, wie sehr ihn die Begegnungen geprägt und seinen eigenen Glauben vertieft hätten. Dass er in der Gemeinde offen aufgenommen wurde und auf ein unterstützendes Team zählen konnte, habe viel dazu beigetragen, dass er auf diese Zeit dankbar zurückblickt.
"Wo der Herr mich haben will"
Dabei war sein Weg nach Isselburg keineswegs vorgezeichnet. Seine theologische Ausbildung absolvierte Nwosu in seinem Heimatland Nigeria, wo er auch zum Priester geweiht wurde. Dass er einmal in Deutschland wirken würde, habe er zunächst nicht erwartet. Doch für ihn stand früh fest: "Als Priester bin ich immer offen und bereit, dahinzugehen, wo der Herr mich haben will." Als sich schließlich die Möglichkeit ergab, nach Deutschland zu gehen, sagte er zu. Die Herausforderungen - eine neue Kultur, eine fremde Sprache, die Distanz zur Familie - seien nicht klein gewesen. Dennoch habe er Isselburg schnell schätzen gelernt. Es ist bis heute die einzige Gemeinde in Deutschland, in der er tätig war.
Seinen Beruf versteht Nwosu dabei nicht als bloße Tätigkeit. Für ihn ist das Priestertum Berufung. Er sehe sich als Diener Gottes, dessen Aufgabe es sei, die frohe Botschaft zu verkünden. Persönliche Interessen träten dabei in den Hintergrund. Entscheidungen, die er auf diesem Weg getroffen hat, bereue er nicht. "Auch für mich ist das manchmal schwierig", sagt er offen. Doch er vertraue darauf, dass Gott ihn führe – und verstehe sich selbst als Werkzeug.
Der Traum des Fußballers
Dass er diesen Weg eingeschlagen hat, war allerdings nicht selbstverständlich. In seiner Jugend hatte Nwosu andere Pläne: Fußballspieler oder Banker wollte er werden. Der entscheidende Impuls kam ausgerechnet durch eine Strafe. Weil er als Kind den kirchlichen Unterricht schwänzte, um Fußball zu spielen, schickte ihn seine Mutter in den Ferien für eine Woche in die Kirche. Dort begegnete er einem Priester, der ihn nachhaltig beeindruckte. Der Wunsch, selbst Priester zu werden, war geweckt. Es folgten Studium und Ausbildung in Nigeria. "Und der Rest ist Geschichte", sagt Nwosu lachend.
Nun steht der nächste Abschnitt bevor. Am 19. Juli wird er in der Kirchengemeinde St. Agatha in Dorsten eingeführt. Was ihn dort erwartet, könne er nicht genau sagen. Doch auch hier vertraut er auf Gottes Führung. Gleichzeitig fällt ihm der Abschied aus Isselburg nicht leicht. "Isselburg ist für mich wie eine Ersatzfamilie geworden", sagt er. Besonders die Freundlichkeit der Menschen werde ihm fehlen. Viele besondere Momente verbinde er mit seiner Zeit hier – einzelne wolle er gar nicht herausheben, weil jeder auf seine Weise wichtig gewesen sei. Vor allem das Gemeinschaftsleben mit Veranstaltungen wie Schützenfesten, Karneval, Konzerten oder Wallfahrten (wie die Fußpilgerreise nach Kevelaer) sei ihm im Gedächtnis geblieben. "Das ist alles ganz toll für mich."
Abschied im Oktober
Seinen Abschied wird Nwosu am 4. Oktober mit einem Festgottesdienst feiern. Die Entscheidung zu gehen habe er bewusst getroffen, nachdem das Bistum auf ihn zugekommen sei. Nach acht Jahren sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, neue Erfahrungen zu sammeln und Kirche an einem anderen Ort kennenzulernen. Auch vor dem Hintergrund der personellen Situation in Dorsten hält er den Wechsel für sinnvoll.
Den Menschen in Isselburg dankt er für die gemeinsame Zeit. Sorgen um die seelsorgerische Betreuung müsse sich niemand machen, betont er. Wie es mit der Nachfolge aussieht, könne er nicht sagen: "Das habe ich nicht zu entscheiden." Einen Gedanken gibt er dennoch mit: Die Kirche befinde sich im Wandel. Entscheidend sei, den Glauben in dieser Entwicklung nicht zu verlieren und Wege zu finden, Christus den Menschen auch in neuen Zeiten näherzubringen.
Text/Foto: Ben Diallo, Bocholter-Borkener Volksblatt vom 16. April 2026